Verfolgung und Widerstand – Eine Spurensuche

Feierliche Veranstaltung zur Ausstellung zu Vinzenz Rose

Vinzenz Rose: KZ-Häftling bei Obrigheim, Sinto, Bürgerrechtler. So lautet die Ankündigung auf den Plakaten zu der Veranstaltung „Verfolgung und Widerstand – Eine Spurensuche“. Bei der feierlichen  Veranstaltung zur Ausstellung „Vinzenz Rose – Einer von uns?!“ in der Aula der Geschwister-Scholl-Schule Heidelberg wurde die Bandbreite dieses Lebens informativ dargestellt und es wurden darüber hinaus zahlreiche Bezüge zur aktuellen gesellschaftlichen Situation hergestellt. Die Ausstellung erzählt in Ich-Form die Lebensgeschichte des Sinto Vinzenz Rose. Rose war KZ-Häftling in Auschwitz, Natzweiler und Neckarelz, konnte fliehen und kämpfte nach dem Zweiten Weltkrieg als Bürgerrechtler gegen die neuerliche Diskriminierung von Sinti und Roma in Deutschland.


GSS-
Schulleiter Stefan Hansen begrüßte die Gäste mit dem Zitat „Jeder ist wertvoll“ und dem Bezug zu Artikel 1 des Grundgesetzes. Er leitete damit weiter zu der täglichen Arbeit an der Schule. „Unsere Aufgabe als Lehrer und Lehrerin ist es, diese Werte täglich zu verteidigen!“ Umso mehr freute er sich, dass nun diese Ausstellung den gesamten Februar über an der Geschwister-Scholl-Schule gezeigt wird und SchülerInnen, aber auch der interessiertenÖffentlichkeit wichtige Informationen und Denkanstöße gibt. Organisiert wurde diese Ausstellung an der GSS von einer engagierten Vorbereitungsgruppe und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rhein-Neckar (GEW)

Die Feier in der Aula wurde gekonnt von Michael Csaszkóczy an der Gitarre und Carmen Hofmeister an der Zither umrahmt. Csaszkóczy wählte inhaltlich passende Lieder u.a. von George Brassens sowie jiddische Lieder aus, die er virtuos interpretierte. Auch hier findet sich ein starker Bezug zum Leben Vinzenz Roses: Er wurde vor dem sicheren Tod gerettet, weil er einem Lagerkommandanten mit seinem Spiel auf der Zither imponiert hatte. Vinzenz Roses (fiktive) Erzählungen aus seinem Leben wurden von Schüler:innen der GSS an verschiedenen Stellen der Veranstaltung von den Ausstellungsfahnen vorgelesen.


Lehrerin
Nora Bräcklein stellte in ihrer Rede Bezüge zwischen Roses Lebensgeschichte und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen her. Vinzenz Roses Leben und Engagement sei Auftrag für uns, die Menschenrechte überall zu leben und zu verteidigen.

Bernhard Edin, Geschichtslehrer aus Obrigheim und mit seiner Geschichte-AG Ersteller der Ausstellung, ordnete zuerst einmal geographisch ein: Wo liegt denn Obrigheim? Dadurch wurde deutlich, dass das KZ-Außenlager Neckarelz bei Obrigheim wirklich direkt vor unserer Tür lag. Und warum wurde damals Neckarelz als Standort ausgewählt? In einem Gipsstollen bei Neckarelz wollten die Nazis Flugzeugmotoren herstellen und benötigten hierfür Arbeitskräfte. Das gesamte Projekt um die Ausstellung, so erklärte er weiter, startete dadurch, dass in der Geschichte-AG der Realschule Obrigheim der Wille keimte, die eigene Schule nach Vinzenz Rose umzubenennen, was aber, auch nach jahrelanger Arbeit, leider nicht gelang. Im Interview mit den (ehemaligen) SchülerInnen Devon und Leoni aus der Geschichte-AG wurde für die Gäste das außergewöhnliche Engagement der jungen Menschen für die Ausstellung und für den Kampf gegen Diskriminierung plastisch.

Ein Beispiel für die Diskriminierung von Sinti und Roma in den 1970er Jahren nahmen Thorben Decker, GSS-Geschichtslehrer, und die Klasse 9a unter die Lupe: Sie beleuchteten, , was in unmittelbarer Nähe zur Schule 1973 passierte:  Anton Lehmann, ein Sinto, wurde in Folge eines Streits um Flaschenpfand „in Notwehr“ von einem Polizisten erschossen. Dieser Tod war Anlass für großen Widerstand: Die Sinti, die Krieg, Verfolgung und KZ überlebt haben, wollten nicht weiter Opfer sein. Es gab einen großen Schweigemarsch durch die Heidelberger Hauptstraße. „Sind wir Menschen 2. Klasse?“ fragten die Plakate unter anderem. „ Zu lange haben wir uns weggeguckt, hingenommen, dass niemand sich für den Völkermord an unserer Minderheit interessiert“, so berichtete es Vinzenz Rose. Auch 1973 wurden Sinti noch vorschnell als Schuldige verurteilt, eine Anerkennung als Geschädigte oder eine Entschädigung hatte es bis dahin nicht gegeben.

Diese beeindruckende Ausstellung zieht nun weiter und wird im März an der Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) zu sehen sein.

 

Text und Foto: F. Reif

Feierliche Veranstaltung zur Ausstellung zu Vinzenz Rose
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