Erster Preis für deutsch-italienisches Filmprojekt
Die Klasse 10b der Geschwister-Scholl-Schule Heidelberg und Schülerinnen und Schüler der IC Tito Livio in San Michele al Tagliamento haben gemeinsam ein Filmprojekt zur europäischen Geschichte umgesetzt. Im Mittelpunkt stand die Verschiebung der Grenzen zwischen Italien und Jugoslawien beziehungsweise dem heutigen Kroatien und Slowenien nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere in der Region Istrien.
Die historischen Ereignisse wurden am Schicksal von Germano Bologna veranschaulicht. Während des Zweiten Weltkriegs geriet er in deutsche Gefangenschaft und wurde in ein Konzentrationslager deportiert. Als er nach Kriegsende in seine Heimat zurückkehrte, hatte sich die politische Situation grundlegend verändert: Seine Heimat gehörte nicht mehr zu Italien, sondern zu Jugoslawien. An seinem Lebensweg wurde deutlich, welche tiefgreifenden Folgen Grenzverschiebungen für die betroffenen Menschen hatten.
Für den Film interviewten die Schülerinnen und Schüler auch den Sohn von Germano Bologna. Durch seine persönlichen Erinnerungen und Erzählungen erhielt das Projekt eine besondere Nähe zur Geschichte und ermöglichte einen eindrucksvollen Einblick in die Auswirkungen der politischen Umbrüche auf einzelne Familien.
Während der Recherche beschäftigten sich die Jugendlichen mit den politischen Veränderungen, den Folgen für die Bevölkerung sowie den persönlichen Schicksalen der Menschen, die von den Grenzverschiebungen betroffen waren. Dabei wurde deutlich, wie eng Geschichte und Gegenwart miteinander verbunden sind. Eine wichtige Erkenntnis des Projekts war, dass sich die historischen Entwicklungen und die Grenzverschiebungen desZweiten Weltkriegs in ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart überschneiden.
Für ihre Arbeit wurden die Schülerinnen und Schüler mit dem ersten Preis beim Premio Gobetti ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand in Turin statt und würdigte die hohe Qualität des Films sowie die intensive historische Auseinandersetzung mit einem wichtigen Kapitel europäischer Geschichte.
Hauptverantwortlich für die Organisation und Durchführung des Projekts waren die Lehrerin Nadia Rehm von der Geschwister-Scholl-Schule Heidelberg sowie die italienische Lehrerin Simona Morsanutto von der IC Tito Livio. Inhaltlich wurde das Projekt maßgeblich von Oberstudienrat Herr Rietz, Geschichtslehrer an der Geschwister-Scholl-Schule, begleitet. Er brachte seine fachliche Expertise sowohl bei der historischen Recherche als auch bei der filmischen Umsetzung ein.

Der gemeinsam produzierte Film förderte nicht nur das historische Verständnis, sondern auch den interkulturellen Austausch zwischen den deutschen und italienischen Jugendlichen. Das Projekt zeigte eindrucksvoll, wie internationale Zusammenarbeit dazu beitragen kann, Geschichte lebendig und verständlich zu machen.
Text und Foto: F. Reif